Hindu-Hochzeit Kathmandu Nepal

Hindu-Hochzeit Kathmandu Nepal


Etappe 3: Zu Gast auf einer Hindu-Hochzeit

Mein Gastvater in Kathmandu hat mir das Angebot gemacht, daß ich mir eine Hochzeit im Bekanntenkreis anschauen könne. Da sage ich natürlich nicht nein. Hochzeiten werden in Nepal in der Regel von den Eltern arrangiert. Manchmal werden sich Paare in sehr jungem Alter bereits versprochen oder sogar verheiratet. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass junge, mündige Menschen anfang bis mitte zwanzig nach Fotos, die Ihnen ihre Eltern zeigen, einen potenziellen Partner wählen dürfen. Man darf sich vor der Hochzeit treffen und miteinander reden. Gefällt einem der Vorschlag nicht, darf auch abgelehnt werden, bevor man sich jemandem verspricht. Sagt einem der jeweilige Partner zu, vergehen zwischen diesen Treffen und der eigentlichen Hochzeit meist nur wenige Wochen bzw. Monate.

Morgens werde ich per Motorrad zum Ort des Geschehens gebracht. Vorher hole ich noch eben ein paar Blumen für das Brautpaar. Kaum angekommen, sehe ich Braut und Brätigam auf roten Sesseln andächtig draussen, zwischen vielen Menschen, sitzen. Musiker spielen immer mal wieder auf, Kinder schaukeln, Erwachsene unterhalten sich und tanzen ab und an. Kleine Mädchen haben auffallend oft rote Stiefel an. Manchmal müssen sie noch hinein wachsen 🙂

Man erklärt mir, wie ich die Blumen überreichen muss:
Als erstes werde ich Braut und Brätigam etwas rot gefärbten Reis zur bereits bestehenden Reiss-Tikka auf der Stirn hinzufügen (gar nicht leicht, dabei nicht mehr Reis von der Stirn zu wischen, als man hinzufügt :-(), danach stecke ich beiden eine Blume ins Haar, eher gesagt unter den “Schleier” bzw. auf den “Hut”, dann erst überreiche ich mein Geschenk. Es werden fleissig Fotos gemacht, wie ich mein Bestes gebe :-), nur ich habe am Ende leider keines 🙁

Kurz darauf sehe ich eine europäische Frau im Sari und einen blonden Mann und gehe zu ihnen. Sie is Stoffdesignerin. Er betet mit Großmüttern in ihrer jeweiligen Religion auf der ganzen Welt. O.k. ich gebe zu, das klingt etwas schräg, entspricht aber tatsächlich dem, was er mir gesagt hat. Ich habe 2-3 mal nachgefragt, da ich erst dachte, ich verstehe sein Englisch nicht wirklich. Er kommt aus Californien, dort ist eben viel möglich… Wer mal in Big-Sur war, hat davon eventuell eine Vorahnung erhalten. Wir essen gemeinsam etwas.

Nach dem Essen verlasse ich die beiden, um meine Aufmerksamkeit wieder der eigentlichen Zeremonie zu widmen. Ich hatte in meinem Buch “Rot, Menschen in Kathmandu” einiges darüber gelesen und bin nun darauf gespannt, selber Zeugin des Geschehens zu werden.

Der Bräutigam wartet sitzend vor dem “Bridal-Dressing-Room” auf seine Braut. Der erste Teil der Zeremonie ist bereits vorbei. Jetzt im zweiten Teil muss die Braut
ihre komplette (!) Kleidung wechseln. Sie wird die von ihrem Ehemann gekauften Stücke anziehen. Danach erfolt die eigentliche Trauungszeremonie.

Hierzu wird Sindhur, ein orange-rotes Pulver, vom Ehemann auf die Stirn der Frau gestreut, während ihr ein weisses Tuch vor das Gesicht gehalten wird. Danach werden ein kleines, ebenfalls weisses Tuch und u.a. Geldscheine auf dem Kopf der Braut befestigt. Sie gehört nun nicht mehr zu ihrer Familie, sondern ist Teil der Familie des Bräutigams.

Braut und Brätigam wechseln die Plätze. Die junge Frau wäscht ihrem Mann die Füße und beugt sich nach einigen Minuten hinunter, um sie mit ihrer Stirn zu berühren. Darauf folgen einige Rituale, die ich nicht genau interpretieren kann. In der zuvor genannten Lektüre ist von “Spielen” die Rede, bei denen sich die Brautleute näher kommen sollen. Eine gelbe Frucht, die er ihr reicht, wird scheinbar von ihr abgelehnt. Sie starrt dabei ins Leere, wie die meiste Zeit.
Daraufhin vollzieht der Priester (in schwarzer Jacke und Jeans) vermutlich noch einmal eine Art Segnung. Es gibt erneut Tikka für das Paar, bevor die Braut Ihren Platz auf einen der roten Sesseln wechselt, um Geldgeschenke anzunehmen. Später sehe ich beide noch einmal auf den Sesseln im Gala-Raum. Sie haben große Kartons mit neuem Barbeque-Grill, diversen Küchengeräten usw. neben sich stehen. Fröhlich wirken auf dieser Hochzeit am ehesten die Gäste, die Brautleute scheinen konzentriert, angespannt und zurückhaltend.

Am frühen Abend wird die Braut ihre Familie verlassen und im geschmückten Auto in das Haus ihres Mannes fahren, in dem vermutlich die Schwiegermutter auf sie wartet. In meiner Lektüre steht, dass diese bei der Hochzeitsfeier ihres Sohnes in der Regel nicht zugegen ist. Sie feiert den Tag mit Freundinnen in ausgelassener Stimmung zu Hause. Im traditionellen Sinne ist es nun Aufgabe der jungen Frau den Haushalt zu führen, Kinder zu bekommen und sich um die Schwiegereltern zu kümmern. Der Bräutigam erzählt mir später, er sei nun für ein halbes Jahr in Kathmandu, würde danach sein Studium in Japan fortsetzen.